Saasemer Budenzauber und reichlich Adrenalin !

Die 13. Auflage des traditionell zu Jahresbeginn stattfindenden Gutperle-Cups bot wieder einmal eine bunte Palette an all dem, was den Fußball, insbesondere auf der beschaulicheren lokalen Ebene sowie auf dem Kleinfeld in der Halle, so reizvoll und liebenswürdig macht: von kaum zu ertragenden Nullnummern über zahlreiche Kabinettstückchen, abwechslungsreiche Torfestivals und grenzwertig umkämpfte K.O.-Duelle bis hin zur lobenswert engagierten, aber nicht ganz fehlerfreien Organisation durch die gastgebende TSG Weinheim. Manchmal öde, manchmal zum Schmunzeln, hier und da selbst für das geschulte Auge des selbsternannten Fußballexperten zu schnell, aber immer voller Leidenschaft und Hingabe in den unterschiedlichsten Ausdrucksformen. Die wichtigsten Facts und Stories rund ums Turnier nun in aller Ausführlichkeit:
Finalrunde:
Achtelfinale: TSG Weinheim U23 – FC Ober-Abtsteinach 2:2, 2:4 i.N

Zweimalige Weinheimer Führung reicht nicht zum Sieg.

TSG Lützelsachsen – TSG Weinheim U19 2:1

Zäher Start für Lützelsachsen, aber nach dem Rückstand die Nerven bewahrt! TSG Weinheim – Türkspor Beerfelden 3:0, Beerfelden nicht angetreten

Schade um die Spielpraxis, somit Kaltstart der TSG im Viertelfinale. Amicitia Viernheim 1 – Amicitia Viernheim 2 4:2

Die zweite macht’s der ersten schwerer als erwünscht.

Anatolia Birkenau – Phönix Mannheim 3:0

Souveräner Erfolg gegen eine in der Vorrunde sattelfeste Mannheimer Defensive.

SSV Vogelstang – VfB Gartenstadt 2 0:3

Überraschend deutliche Niederlage des Zweiten aus Gruppe C.

VfL Kurpfalz-Neckarau – SG Hohensachsen 3:1

Der Titelverteidiger gibt sich keine Blöße. FC Fürth – VfL Birkenau 4:1

Fürth plötzlich Mitfavorit?!
Viertelfinale:

FC Ober-Abtsteinach – TSG Lützelsachsen 1:6

Am Ende Tiki-Taka und das Tor des Turniers!

TSG Weinheim – Amicitia Viernheim 1 2:2, 7:8 i.N.

Tore von Zimmermann und Engel reichen nicht, nicht enden wollende Neunmeterlotterie.

Anatolia Birkenau – VfB Gartenstadt 2 3:2

Überschattet von der unnötigen Eskalation kurz vor Schluss.

VfL Kurpfalz-Neckarau – FC Fürth 4:1

Fürth doch nicht Mitfavorit!
Halbfinale:

TSG Lützelsachsen – Amicitia Viernheim 1 6:1

Kreisligist demütigt Verbandsligist; Viernheim zeitweise in Schockstarre.

Anatolia Birkenau – VfL Kurpfalz-Neckarau 1:1, 10:9 i.N.

Taktisch ansehnlich! Am Ende reine Nervensache.
Spiel um Platz 3: Amicitia Viernheim 1 – VfL Kurpfalz-Neckarau 5:2

Viernheimer Frust trifft Neckarauer Erschöpfung.

 

Finale:

 

TSG Lützelsachsen – Anatolia Birkenau 4:3

Dramatischer Höhepunkt eines sich immer weiter zuspitzenden Turnierverlaufs!
Doch jetzt genug der nackten Zahlen! Es sind die kleinen Geschichten auf dem Feld und an dessen Rande, die den Gutperle-Cup zu mehr als einem schlichten Sammelsurium ordentlich kickender Freizeitfußballer gemacht haben. Hier die wichtigsten Stories in Form einer Mini-Hitparade:
Größte Enttäuschung: Die Absage von gleich vier angemeldeten Teams.

Zwar konnte aufgrund dieses Ärgernisses der Spielplan etwas zusammengestaucht werden, wofür der Turnierkarteninhaber (5 € für drei Spieltage als ermäßigter Zahler, Schnäppchen!) spätestens nach dem trost- und torlosen Remis zwischen Kurpfalz Neckarau und Phönix Mannheim am zweiten Vorrundentag zugegebenermaßen nicht undankbar war. Dennoch raubte die daraus resultierende Konstellation – nach den ersten beiden Tagen musste sich von ursprünglich 20, letztendlich 17 Startern nur ein einziger verabschieden – der Vorrunde die ohnehin nur begrenzt vorhandene Dynamik. Daran sollte auch der zunächst spielfreudige und vor allem „couragierte“
Auftritt von Türkspor Beerfelden, das für den SV Laudenbach eingesprungen war, nichts ändern. Nach zwei hitzigen Matches gegen Fürth und die Weinheimer U23 sowie in der uneingeschränkten Überzeugung, vom Unparteiischen mutwillig um den verdienten Lohn für zeitweise aufreizenden Tiki-Taka-Fußball gebracht worden zu sein, reiste man am Finaltag nämlich gar nicht mehr an und hievte damit die gastgebende TSG Weinheim kampflos in den Gutperle-Cup-Clásico gegen Amicitia Viernheim.
Größte Überraschung: FC Ober-Abtsteinach Die nicht unbedingt als Favorit gestartete Kreisliga-Mannschaft aus der Odenwälder Provinz überzeugte durch ein mannschaftlich geschlossenes, durchaus sympathisches Auftreten und ließ immer wieder die nötige Lockerheit, die einem solchen Hallenturnier gebührt, aufblitzen. In der Vorrunde nur von einer starken TSG Weinheim bezwungen, rechtfertigte man – auch trotz der absagebedingt von Beginn an feststehenden Qualifikation für das Hauptfeld – die Teilnahme an der finalen K.O.-Runde und überstand hier gleich im Eröffnungsspiel durch einen Erfolg im Neunmeterschießen das Achtelfinale gegen die Weinheimer U19. Die deutliche ViertelfinalNiederlage gegen den späteren Sieger aus Lützelsachsen ändert nichts an dem gewonnenen Eindruck, dass auch Mannschaften, die im Vergleich zu manch anderem Teilnehmer eher – man möge uns diesen Terminus verzeihen – klösterlich-fromm daherkommen, durchaus eine gute Rolle spielen können, auf wie neben dem Feld. Als Belohnung durften die Stooonischer bei ihrem letzten Auftritt gewissermaßen Spalier stehen, denn einem ihrer Saasemer Gegner gelang das …
Schönste Tor: Tobias Malchow (TSG Lützelsachsen) zum 4:1 gegen Ober-Abtsteinach Klar, wir sind nicht die Sportschau und können somit keine bundesweite Abstimmung mit Aussicht auf den Gewinn eines familienfreundlichen Kraftfahrzeugs durchführen, kurz: Die Wahl entspringt einer ziemlich subjektiven Einschätzung. Nichtsdestotrotz wehte ein Hauch von CR7 (um Gottes Willen nicht sein Parfüm!) durch Weinheim, als sich Malchow den Ball halbrechts in der eigenen Hälfte schnappte, ihn sich – vermutlich bereits seine kühne Absicht ausheckend – vorsichtig zurechtlegte, mit gefühlten 17 Übersteigern die Mittellinie bis tief in die gegnerische Hälfte überquerte, um genau im richtigen Moment ansatzlos und trocken mit Links ins kurze Eck abzuschließen. Nicht zuletzt das anerkennende Raunen, das im Anschluss durch das sonst so disziplinierte Publikum schwappte, deutete darauf hin, dass sich dieser Treffer in so mancher Youtube-Compilation höherklassiger Kicker sehen lassen könnte. Und auch wir würden uns gerne noch mindestens 17 Mal in Realgeschwindigkeit und Zeitlupe an dieser Szene ergötzen, um beim unverzüglichen Anstoßen mit Pilsener Bier freilich still nickend anzuerkennen, dass wir ein solches Tor wohl nicht mehr allzu oft selbst erzielen werden.
Prominentester Hallengast: Lukas Rupp (TSG Hoffenheim) Obwohl der Hallensprecher am Finaltag stolz die Anwesenheit des Fürther Bürgermeisters Volker Oehlenschläger verkündete, fällt unsere Wahl nicht auf das seine „Roten“ unterstützende PolitSchwergewicht, sondern auf den Hoffenheimer Mittelfeldstar, der es sich am zweiten Vorrundentag nicht nehmen ließ, in seiner alten Heimat vorbeizuschauen und insbesondere den alten Kumpels von der TSG Lützelsachsen die Daumen zu drücken. Und tatsächlich schienen jene durch den Besuch des Bundesligaspielers einen zusätzlichen Motivationsschub erhalten zu haben, qualifizierten sie sich doch, ihr spielerisches Potenzial bereits andeutend, mehr als lässig für die Finalrunde. Der FC Fürth schied dort übrigens im Viertelfinale aus …
Hässlichste Aktion: Das Viertelfinal-„Gestumpe“

Gerade war der Gastgeber nach einem Neunmeterschießen, das an die deutsch-italienische Nacht von Bordeaux erinnerte, im bereits erwähnten Viertelfinal-Clásico gegen Viernheim aus dem Turnier ausgeschieden und Anatolia Birkenau führte den VfB Gartenstadt 2 beim Spielstand von 3:0 am Nasenring durch die Weinheimer Manege … da besannen sich die Mannheimer Vorstädter, die sich bis dato recht unauffällig in und durch diese K.O.-Runde gearbeitet hatten, ihrer kämpferischen Qualitäten und verkürzten via Doppelschlag auf 2:3. Als sich daraufhin ein agiler Gartenstädter über den linken Flügel erdreistete, sogar am Ausgleich zu schnuppern, hatte der Birkenauer Goalie genug gesehen und warf sich dem Eindringling aufopferungsvoll entgegen. Nun soll es hier nicht darum gehen, diesen oder jenen Akteur in der beschriebenen Szene der Überschreitung des Regelwerks zu bezichtigen, wozu wird wir aufgrund unseres ungünstig gewählten Stehplatzes auch gar nicht in der Lage sind. Doch prangern wir entschieden das unmittelbar darauf folgende Geschehen an, im Rahmen dessen sich der lautstarke Pulk aus sich – gelinde gesagt – anrempelnden Spielern minutenlang nicht auflösen ließ, wozu auch die aufgebrachte Birkenauer Anhängerschaft alles andere als schlichtend beitrug. Selbst das energische verbale Eingreifen des sonst eher durch die Ansage falscher Zwischenstände auffallenden Hallensprechers blieb unerhört. Ob die frostigen Außentemperaturen einige Spieler glauben ließen, sie seien beim Eishockey …?
Kurioseste Szene: „Finaler Headshot“ Es soll im Hallenfußball ja durchaus ein probates Mittel sein, bei hohen Rückständen – zumal im Endspiel eines langen, kräftezehrenden Turniers – den Torhüter zugunsten eines zusätzlichen Feldspielers aufzugeben. Die Art und Weise, wie Anatolia Birkenau diesen taktischen Kniff durchzuführen vermochte, ist allerdings einzigartig und gehört dringend als Sketch verfilmt. Doch der Reihe nach … Wir schreiben etwa die 7. Spielminute im Finale um den Gutperle-Cup, die TSG Lützelsachsen hat
soeben durch den auffällig torhungrigen eigenen Goalie das 4:1 erzielt und wogt in einem Rausch à la Mineirão dem Turniersieg entgegen. Den südhessischen Nachbarn aus Birkenau, ebenfalls als Mitfavorit in den Wettbewerb gestartet, bleibt somit nichts anderes übrig, als alles auf eine Karte zu setzen und den fünften Feldspieler zu bringen. Gute Gelegenheit, befindet sich der Ball doch gerade weit in der gegnerischen Hälfte, direkt vor den Füßen des kürzlich erfolgreichen Lützelsachsener Keepers. Prompt schwingt sich ein Birkenauer Feldspieler voller Entschlossenheit, das Ding noch zu drehen und somit zum Helden vom Weschnitztal aufzusteigen, über die hohe Bande; sein Schlussmann, womöglich noch irritiert vom unerwarteten Torhagel sieht sich in der Gegenrichtung mit größeren Schwierigkeiten konfrontiert und sucht soeben stützenden Halt am rechten Pfosten. Der Torhüter aus Lützelsachsen wiederum, der diese Szene aufmerksam beobachtet und scheinbar nach weiteren Treffern lechzt, erkennt geistesgegenwärtig die Gelegenheit des vorübergehend leeren Tores und zieht aus gefühlter Stoppelkamp-Distanz einfach ab. Wenn er ihn hätte treffen wollen, wäre es ihm in hundert Versuchen nicht gelungen … Da er ihn jedoch NICHT treffen will, segelt die Kugel, von 150 Augenpaaren fixiert, einmal quer durch die Halle, schnuppert am finalen Rendez-vous mit einer der im Turnierverlauf mehrfach umschmeichelten Deckenlampen und senkt sich mit chirurgischer Präzision auf den Kopf des sich gerade aus seinem Tor auf die Bande hievenden Birkenauer Goalies. Vermutlich hätte der Ball genau ins Kreuzeck gepasst … 5:1, Deckel drauf. Die somit irreguläre, wenngleich spektakuläre Verhinderung eines Tores – Anatolia hatte für Sekunden sechs Spieler auf dem Feld – wurde vom schmunzelnden Referee übrigens nicht geahndet. Die Lützelsachsener und auch wir können es verkraften, denn eine solche unfreiwillige Rettungsaktion gehört einfach belohnt!
Die weiteren Auszeichnungen von offizieller Seite (Turnierleitung):

Torschützenkönig: Anil Güner (Anatolia Birkenau), 10 Tore … vier davon am Finaltag, womit er sein Team überhaupt erst ins Endspiel brachte. Hier blieb er allerdings torlos.

 

Bester Spieler: Tobias Malchow (TSG Lützelsachsen), „Thomas-Schwechheimer-Award“ der Siebeneins-Redaktion … und das völlig zurecht! Unbestechlich wie wir sind, hat diese Einschätzung freilich nichts mit dem kurzen Plausch im Foyer zu tun, bei dem er freundlich darum bat, in unserer Berichtserstattung namentlich erwähnt zu werden.

Bester Torhüter: Mario Baretto (VfL Kurpfalz Neckarau), 10 Gegentore … bis zum kleinen Finale „um die goldene Ananas“ mit nur fünf Gegentoren bärenstarker Rückhalt des Landesliga-12. Dann setzte es allerdings nochmal fünf von völlig frustrierten Viernheimern, die im Halbfinale eine Lützelsachsener Tracht Prügel erlitten hatten.

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