„Papst“ und Bauer machen den Unterschied

Es könnte einer dieser Abende gewesen sein. Einer, auf den man nostalgisch verweisen wird, wenn es in der bierseligen Saison-Rückschau um die sogenannten „Schlüsselspiele“ geht, die der TSG Lützelsachsen im Abstiegskampf der Bezirksklasse Rhein-Neckar die überlebenswichtigen Punkte bescherten. Ausreichend Gesprächsstoff lieferte das Match gegen den TTC Weinheim IV allemal.

Heimspiel als Charaktertest

Man hatte sich viel vorgenommen an der Bergstraße. Als Reaktion auf vereinzelte Misstöne im Nachgang zum Wallstadt-Debakel wurde vor allem der Teamgeist als wichtigstes Faustpfand für einen Aufsteiger herausgekehrt und auch während der Partie immer wieder beschworen. Nominell ersetzte der ohnehin schon quasi zum Stamm gehörende Michael Bauer den wohl länger ausfallenden Norman O’Neal in den Einzeln; im Doppel entschied man sich für einen taktischen Kniff mit „Edeljoker“ Rolf Dremel, der Timo Koch zur Seite gestellt wurde. Weinheims Respekt vor der Heimstärke der TSG spiegelte sich im zweiten Saison-Einsatz Thorsten Bernauers (Punkt 1) wider und auch die Ersatzspieler Christian Zöllner und Frank Sauer weisen im hinteren Paarkreuz sicherlich gehobenes Bezirksklasse-Niveau auf.

Doppel-Vorsprung hält nur kurz

Mit gleich drei Paukenschlägen eröffnete Lützelsachsen das Spiel, indem sämtliche Doppel klar gewonnen werden konnten – keine Selbstverständlichkeit für einen Underdog und dennoch ein traditioneller Trumpf im Weinheimer Süden. Auf dem scheinbaren Weg zum 4:0 wurde Riccardo Ibba daraufhin kurz vor der Ziellinie noch abgefangen, als er Andreas Rosin unglücklich mit 9:11 im Entscheidungssatz unterlag. Wesentlich deutlicher fiel Timo Dremels Verlust gegen Bernauer aus und als Jonathan Hellinger im fünften Durchgang gegen Bernd Schafhaupt das Nachsehen hatte, stand es plötzlich 3:3 – die Gunst der Doppel war aufgebraucht.

Erst Jens Hofmann gelang mit seinem niemals gefährdeten 3:0 über Steffen Kreis der wichtige erste Einzelpunkt für die Gastgeber, doch Koch verspielte trotz mühsamer Aufholjagd gegen Sauer die Chance auf einen höheren Vorsprung. Für die erste Weinheimer Führung sorgte schließlich Zöllner, der Bauer in vier hart umkämpften Sätzen das Nachsehen ließ. Es musste also etwas passieren auf Seiten der TSG, wollte man nicht erneut als Verlierer die einstige Festung namens Gelberg-Sporthalle verlassen. Und es passierte so einiges …

Kein zweites Wallstadt

Zunächst erteilte Ibba, zu diesem Zeitpunkt mit einer 1:8-Bilanz gesegnet, seinem Kontrahenten Bernauer eine unerwartete 3:0-Lehrstunde. Dann befreite sich der vorübergehend „eingelullte“ Dremel von einem 0:2-Rückstand gegen Rosin und brachte auch den fünften Durchgang unter immer lauter werdendem Jubel der altersweisen Zuschauer-Schar nach Hause. Schließlich arbeitete sich Hellinger von Satz zu Satz besser in sein Duell mit Kreis; seine siegbringenden Halbdistanz-Topspins wären mit „Augenschmaus“ noch zu dezent gepriesen. Mit 7:5 hatte sich die TSG die Gäste somit wieder zurechtgelegt und setzte zuversichtlich zum endgültigen Knockout an.

Finale furioso

Doch die erfahrenen Weinheimer gaben sich bei Weitem nicht geschlagen: Schafhaupt watschte Hofmann in einer wahren Materialschlacht mit 3:0 ab, ehe Zöllner den zu statisch agierenden Koch mit der kalten Ausgleichs-Dusche versah. Nun lag es beim Stand von 7:7 wie so oft an Bauer, seinem Schlussdoppel im Idealfall den roten Teppich zur Siegchance auszurollen, doch sein 3:11 im ersten Durchgang gegen Sauer veranlasste den resignierten Lützelsachsener Anhang quasi schon dazu, sich – wenn überhaupt – mit einem Unentschieden anzufreunden. Wie der ehemalige Sulzbacher daraufhin seinem Ruf als „Kampfschwein“ alle Ehre machte und damit die Partie noch mit 3:2 für sich entscheiden konnte, trotze jedoch nicht zuletzt dem erfahrungsgemäß kritischen „Saasemer“ Publikum Respekt ab. Den nun tatsächlich ausgerollten Perser nutzten Ibba/Dremel im Anschluss nicht nur zum schlichten Drüberlaufen – nein, sie flogen ihn routiniert ins Ziel und verwöhnten beim 3:0 über Bernauer/Rosin zudem alle Wachgebliebenen mit spektakulären Ballwechseln.

Traum vom Klassenerhalt lebt

Durch das 9:7 setzt sich die TSG nun wieder etwas von den Abstiegsrängen ab. Noch viel deutlicher dürfte mittelfristig allerdings die Erkenntnis nachhallen, über einen tauglichen und ausgeglichenen Kader zu verfügen, der darüber hinaus Spielraum für taktische Überlegungen hergibt. Und endlich ist es der jungen Truppe wieder einmal gelungen, durchweg an einem Strang zu ziehen und auch mithilfe der Körpersprache die Zuschauer rechtzeitig mit ins Boot zu bekommen.

Spieler des Tages: Habemus Papam! Erneut ist es der Redaktion nicht gelungen, sich auf einen einzigen Namen festzulegen. Daher zum einen Rolf Dremel, der nicht nur als Geheimwaffe für’s Doppel erwartungsgemäß glänzte, sondern auch mit gelassener Allwissenheit zum „Tischtennis-Papst“ Lützelsachsens aufstieg, als er seinen Mitspielern in vielen brenzligen Situationen die heilbringende Botschaft überbrachte. Zum anderen Michael Bauer, der Marc Wilmots von der Bergstraße, dem die große Bühne manchmal mehr zu liegen scheint als die alltägliche A-Klasse. Erneut DER Garant für sportlichen Wahnsinn, als das Spiel auf Messers Schneide stand.

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