Packendes Derby mit hitzigem Ende

Netz- und Kantenbälle gehören einfach dazu.“ Die Gültigkeit dieses streitbaren Grundsatzes stellte sich am späten Donnerstagabend Spielern und Zuschauern gleichermaßen unter Beweis, als eben jene Ausdrucksform von Glück und Pech ein mitreißendes Bezirksklasse-Duell seinem Höhepunkt entgegentrieb. Am Ende waren beide Parteien jeweils an entscheidener Stelle von Fortuna begünstigt worden – jubeln durfte jedoch nur die Gastmannschaft, die eine Benachteiligung durch das Schicksal kurzerhand in einen mentalen Vorteil verwandelte.

Zuversicht auf beiden Seiten

Mit dem bestmöglichen Aufgebot startete die TSG Lützelsachsen in ihr bereits siebtes Saisonspiel, demnach mit Doppelspezialist Rolf Dremel (mit Timo Koch an Doppel 3) sowie David Baritz, der anstelle des in Birkenau glücklosen Michael Bauer an Punkt 6 gemeldet wurde – nach dem Punktgewinn im Weschnitztal (8:8 dank eines überragenden mittleren Paarkreuzes) sollten auch zuhause Zähler her! Der TTV Weinheim-West II erschien nach dem 9:4-Erfolg bei „Pius III“ ebenfalls mit Rückenwind und einer erwartungsgemäß blutjungen Truppe zum Lokalderby; einzig Ernst Reisig hob den Altersschnit etwas an.

Spiel auf Augenhöhe

Die Lützelsachsener Hoffnungen auf eine neuerliche 3:0-Führung nach den Doppeln erfüllte sich nicht, da Koch/Dremel R. in vier Sätzen Kussler Suárez/Reisig unterlagen. Dass man nicht sogar mit einem Rückstand in die Einzel gehen musste, war unter anderem Hellinger/Hofmann zu verdanken, die Ligeika/Jänicke erst in der Verlängerung des Entscheidungssatzes bezwangen; Ibba/Dremel T. hatten mit Fuhrmann/Sonnentag beim glatten 3:0 wesentlich weniger Mühe. Die fundamentale Bedeutung einer positiven Doppelbilanz zeigte sich einmal mehr, als sowohl Riccardo Ibba (1:3 gegen Jänicke) als auch Timo Dremel (0:3 gegen Ligeika) ihre Auftakteinzel hergaben, wodurch die Gäste erstmals die Führung übernahmen.

Fortan fielen die Punkte im steten Wechsel. Im mittleren Paarkreuz setzte sich zunächst Jonathan Hellinger knapp gegen Kussler Suárez durch, ehe Jens Hofmann nach vier ausgeglichenen Sätzen gegen Fuhrmann mit 1:3 den Kürzeren zog. „Hinten“ hatte Koch mit Sonnentag vergleichsweise leichtes Spiel, doch Baritz musste trotz ordentlichen Beginns Reisig mit 0:3 den Vortritt lassen, sodass sich die Weststädter bei „Halbzeit“ mit 5:4 minimal im Vorteil befanden.

Hoffnung auf das Happy End

Ähnlich ging es weiter: Zunächst entzauberte ein entfesselter Ibba den jungen Ligeika in drei Sätzen, dann musste sich Dremel nach starker Aufholjagd erst im Finaldurchgang Jänicke beugen. Hellingers anschließende 0:3-Niederlage gegen Fuhrmann korrigierte sogleich Hofmann im Duell mit Kussler Suárez zum wichtigen 6:7-Anschlusspunkt. Nahezu zeitgleich starteten schließlich die beiden wichtigen letzten Einzel. Und da man sowohl Koch gegen den erfahrenen Reisig als auch Baritz gegen Sonnentag durchaus einen Punktgewinn zutraute, witterte das Lützelsachsener Publikum schon einen weiteren Einsatz seines waffenscheinpflichtigen Schlussdoppels. Doch dazu sollte es nicht kommen.

Netz und Kante spielen mit

Nach verkorkstem Auftaktsatz bekam Koch seinen Kontrahenten immer besser in den Griff und konnte trotz anhaltender Schwierigkeiten mit Reisigs Aufschlag die beiden Folgesätze für sich entscheiden. Dann die Schlüsselszene in Durchgang 4: Mit einer großen Portion Dusel vollendete „Cookie“ einen sehenswerten Spielzug zum 10:7, was ihm drei Matchbälle einbrachte. Ein darauf folgender Jubelschrei von den Lützelsachsener Stehrängen, der mehr dem umkämpften Ballwechsel an sich als dessen tückischem Ende galt, stachelte Reisig jedoch noch einmal zur Aufholjagd an, sodass der Gästespieler tatsächlich noch mit 14:12 die Oberhand behielt. Durch dieses Erlebnis beschwingt, holte der Routinier nun auch den Entscheidungssatz in die Weststadt und sicherte seiner Mannschaft damit bereits das Remis.

Nicht minder dramatisch gestaltete sich das Spiel am Nachbartisch, wo Baritz seinen Gegenüber zunehmend mit frechen Blocks entnervte. Selbst von einem 1:2-Satzrückstand unbeirrt, kämpfte sich der Lützelsachsener Neuzugang auch im vierten Satz bis auf 9:10 heran. Umso bitterer dürfte daher nicht nur ihm der entscheidende Ball geschmeckt haben, der in hohem Bogen auf die Tischkante segelte und anschließend unerreichbar in den Weiten der Box verschwand.

Niederlage mit positiven Schlüssen

Durch das 6:9 bleibt der Wunsch nach dem dritten ungeschlagenen Match in Folge also unerfüllt. Dennoch darf sich die TSG in der Bezirksklasse angekommen fühlen, schließlich kann die Truppe um Mannschaftsführer Hellinger nicht nur punktuell Paroli bieten, sondern verlangt ihren Gegnern inzwischen regelmäßig Top-Leistungen ab. Angesichts der traditionellen Doppelstärke und einem konstant punktenden mittleren Paarkreuz fehlt somit nicht mehr viel, um auch einmal einem „Großen“ die für den Klassenerhalt notwendigen Big Points abzuringen. Die nächste Chance hierzu bietet sich dem Aufsteiger in knapp zwei Wochen im Heimspiel gegen die SG-DJK St. Pius/MTG Mannheim III, wenngleich man gegen das Schlusslicht sogar als leichter Favorit ins Rennen geht.

Weinheim-West klettert durch den Auswärtserfolg auf den vierten Tabellenrang und empfängt am kommenden Spieltag die TTG Birkenau.

Spieler des Spiels: Jens „Indy“ Hofmann

Legendäres Eröffnungsdoppel mit Hellinger, als ob 6:10 Rückstands im fünften Satz noch der Sieg gelang. Schlug den 150 Punkte höher eingeschätzten Kussler. Stark auch gegen Frank Fuhrmann, eine Säule im Spiel der TSG. Im Doppel noch unbezwungen. Seit Monaten in Top-Form. Vorsicht Offensiv Verteidiger!

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