Joker Cutrone hat das letzte Wort

Serie A, 3. Spieltag: AC Mailand – AS Rom 2:1 (1:0)

Bereits in den ersten zehn Minuten wurde das Potenzial dieser Ansetzung offengelegt, da beide Teams in jeder Aktion mit Zug und Intensität zu Werke gingen, wenngleich man sich dabei zunächst im Mittelfeld neutralisierte. Danach nahm Milan das Heft in die Hand: Von einem entfesselt aufspielenden Hakan Calhanoglu inspiriert kombinierten sich die Rossoneri mit geschickten Passvariationen und Tempowechseln bis ins letzte Drittel, versäumten dort jedoch zu oft den letzten Pass. Bis auf die Abschlüsse von Calabria (16.) und Higuaín (17.) sowie Susos Schuss von der Strafraumgrenze (28.) entstand somit kaum Gefahr für das Tor der Römer.

Die Hauptstädter agierten in der Verteidigung mit fünf Mann auf einer Linie, überließen Milan das Mittelfeld nahezu kampflos und gelangten aufgrund der auch nach Ballgewinnen auschließlich defeniv denkenden Außenverteidiger zu keinerlei Umschaltmomenten. Da auch Kreativkopf Pastore – heute zentral hinter zwei nominellen Spitzen aufgeboten – weitestgehend abtauchte, erwies sich die Offensive der Gäste im ersten Durchgang als Totalausfall. Milans Führung, die Kessié nach Rodríguez‘ scharfer Hereingabe mit viel Entschlossenheit besorgte (40.), ging also durchaus in Ordnung.

Als Roma-Coach di Francesco in der Halbzeit auf die vertraute Viererkette umstellte und im Zuge dessen mit El Shaarawy eine frische Offensivkraft brachte, wendete sich das Blatt. Der Vorjahresdritte verzeichnete nun mehr Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte und ließ sogleich durch Dzekos gefährlichen Schuss (49.) aufhorchen. In seiner Entstehung eher zufällig – Fazio profitierte von einer schlecht geklärten Hereingabe im Anschluss an einen Eckball – aber inzwischen nicht mehr unverdient fiel nach einer knappen Stunde der Ausgleich.

In der Folge wogte der Vergleich zweier offensiv ausgerichteter 4-3-3-Systeme zwischen den Strafräumen hin und her, doch allein die Hausherren konnten dabei in Gestalt von Calhanoglu (66., 69.), Suso (72.) und Higuaín (75.) gefährliche Abschlüsse kreieren. Mit N’Zonzis Treffer wurde die einzige wirklich zwingende Aktion der Roma ebenso zurecht per Videobeweis annulliert (79., Handspiel) wie zuvor Higuaíns vermeintliches 2:1 aus hauchdünner Abseits-Position (61.). Dass Milan den Sieg mehr wollte, beweist ein Blick auf die Wechsel, denn während di Francesco den enttäuschenden Pastore zeitig durch den defensiveren Cristante ersetzte, brachte Gennaro Gattuso in der Schlussphase mit Patrick Cutrone einen weiteren Mittelstürmer.

Dieser Mut sollte sich auszahlen: Als N’Zonzi in der fünften Minute der Nachspielzeit zu früh in einen Gegenstoß startete, spritzte der aufmerksame Calabria dazwischen und bediente Higuaín am Strafraum. Statt selbst abzuschließen, steckte der Argentinier in Weltklasse-Manier nach halblinks durch, wo eben jener Cutrone die Nerven behielt und eiskalt vollstreckte – 2:1 Milan


 

AC Mailand: G. Donnarumma – Calabria, Musacchio, Romagnoli©, Rodríguez (76. Laxalt) – Biglia – Kessié, Bonaventura (84. Cutrone) – Suso, Calhanoglu (81. Samu Castillejo) – Higuaín

AS Rom: Olsen – Karsdorp (78. Santon), Fazio, Manolas, Marcano (46. El Shaarawy), Kolarov – de Rossi©, N’Zonzi – Pastore (68. Cristante) – Schick, Dzeko

1:0 Kessié (40., Rodríguez)

1:1 Fazio (59.)

2:1 Cutrone (90+5., Higuaín)

 

Schiedsrichter: Marco Guida

Gelbe Karten: de Rossi, Cristante

Toraktionen: 15:4

Beste Spieler: Biglia, Calhanoglu, Higuaín – Olsen, El Shaarawy

Spielnote: 1,5 – vor allem nach dem Seitenwechsel ein packender und bis zur letzten Sekunde offener Schlagabtausch zweier Teams, die Kampfgeist und Spielfreude nahezu perfekt vereinten.

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